Selbstregulationsblog

Die Struktur des Selbstkonzepts

Posted on: 13. Mai 2009

selbstkonzept

Grundannahmen des Modells

 

  1. Die Anordnung der Bereiche des Selbstkonzepts ist in gewisser Weise willkürlich. Das Modell soll einfach dazu dienen, einen Überblick zu bekommen, ohne dass damit theoretische Details beschrieben sind.
  2. Im Idealfall bilden die Teile des Selbstkonzepts eine harmonische Einheit.
  3. In der Realität können sich in jedem Teilbereich Unklarheiten und Widersprüche zeigen. Die Teilbereiche können untereinander auf vielfältige Weise konfliktbesetzt sein.
  4. Jeder Teilbereich hat einen sozialen Bezug, ist durch Sozialisationseinflüsse, soziale Vergleichsprozesse, aktuelle Situationen und aktuelle Beziehungen in vielfältiger Weise beeinflusst.
  5. Konflikte innerhalb des Selbstkonzepts können soziale Konflikte auslösen und umgekehrt.
  6. Einzelne Merkmale in den verschiedenen Bereichen des Selbstkonzepts sind variabel, andere nicht. Das Geburtsdatum und das kalendarische Alter lassen sich nicht verändern – Wünsche und Bedürfnisse, Ziele und die Ausprägung bestimmter Persönlichkeitsmerkmale können sich dagegen in einem bestimmten Rahmen verändern.
  7. Bei einzelnen Merkmalen in den verschiedenen Bereichen des Selbstkonzepts lässt sich durch Beobachtung und Messverfahren ein intersubjektiver Konsens erreichen (wie schnell jemand 100m laufen kann, lässt sich mit der Stoppuhr feststellen), bei anderen besteht nur die Möglichkeit, sie subjektiv (mehr oder weniger genau) einzuschätzen. Bei Merkmalen, die einer Einschätzung bedürfen, können Selbst- und Fremdwahrnehmung erheblich voneinander abweichen.

 

Mögliche Probleme

 

Die Probleme, die sich innerhalb der Bereiche und zwischen ihnen ergeben können, lassen sich grob in drei Kategorien einordnen:

 

  1. Unklarheit, die sich im Bewusstsein als Nicht-Wissen zeigt: ich weiß nicht, wer ich bin, was ich brauche, was ich will… usw.
  2. Widersprüchlichkeit, die sich im Bewusstsein als mehr oder weniger klar formulierbarer Konflikt zeigt: ich will etwas, aber ich kann es nicht oder darf es nicht, ich will etwas Bestimmtes aber auch etwas Anderes (und beides gleichzeitig geht nicht) usw…
  3. Fehlender oder konfliktbesetzter Realitätsbezug als Täuschung über Merkmale, Möglichkeiten, Fähigkeiten, Rechte usw. oder Abweichungen zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung, die das Selbstkonzept in Frage stellen.

 

Ansatzpunkte zur Klärung und Problemlösung

 

  1. Anleitungen zum Nachdenken: konkrete Fragestellungen zur Klärung der je eigenen Wünsche, Bedürfnisse, Absichten und Ziele; Anleitungen zur Aneignung und Reflexion der je eigenen Lebensgeschichte
  2. Objektive Testverfahren zur Einschätzung der Ausprägung bestimmter Persönlichkeitsmerkmale im Vergleich zu anderen Personen
  3. Soziale Kontakte und Übungen zur Klärung widersprüchlicher Aspekte des Selbstkonzepts (Rückmeldungen als Fremdeinschätzungen, Meinungsaustausch etc.)
  4. Methoden der Realitätsanalyse (Informationen sammeln und auswerten, um über Möglichkeiten und Grenzen des je eigenen Verhaltens nähere Auskunft zu erlangen)

 

Veränderungen im Bereich des Selbstkonzepts sind nicht notwendigerweise mit einer Änderung des Selbst verbunden!

 

Klärungsfragen

 

1. Brauche ich, was ich zu brauchen glaube? Wie realistisch ist das Bild meiner Bedürfnisse?

2. Kann ich, was ich zu können glaube? Was kann ich wirklich? In welchen Bereichen möchte ich meine Fähigkeiten überprüfen oder erweitern?

3. Will ich wirklich, was ich zu wollen glaube? Sind meine Absichten klar und in sich stimmig? Verfolge ich Ziele, die sich nicht miteinander vereinbaren lassen und deshalb zu Konflikten führen?

4. Muss ich, was ich zu müssen glaube? Setze ich mich selbst mit überhöhten Ansprüchen unter Druck, denen ich nicht gerecht werden kann? Lasse ich mich von anderen unter Druck setzen und überfordern? Wo kann ich, muss ich Grenzen setzen? Nehme ich meine Verpflichtungen (in welchem sozialen Zusammenhang?) realistisch wahr?

5. Bin ich, was ich zu sein glaube? Wie realistisch ist die Selbsteinschätzung meiner Persönlichkeitsmerkmale?

6. Darf ich, was ich zu dürfen glaube? Wie realistisch ist meine Einschätzung dessen, was in einem bestimmten sozialen Zusammenhang erlaubt oder erwünscht ist?

 

Die soeben genannten Klärungsfragen können Selbstzweifel auslösen bzw. verstärken und sind dann kontraproduktiv. Konstruktive Prozesse lassen sich erkennen, wenn…

individuelle Bedürfnisse klar zum Ausdruck gebracht werden können,

Fähigkeiten und Fertigkeiten real vollzogen und beobachtbar sind (damit auch von anderen bestätigt werden kann, dass diese Fähigkeiten vorhanden sind),

Absichten und Ziele deutlich formuliert und in sich schlüssig sind,

Anforderungen in einer bestimmten sozialen Situation durch Hinweise bzw. Äußerungen relevanter Bezugspersonen bestätigt werden,

…die Ausprägung bestimmter Persönlichkeitsmerkmale durch geeignete Testverfahren oder Beurteilungsgrundlagen fundiert ist,

…das in einem bestimmten sozialen Zusammenhang Erlaubte, also reale Handlungsmöglichkeiten und Rechte (auch in einem juristischen Sinn) durch relevante Bezugspersonen bestätigt ist.

 

Selbstkonzept, Selbstsicherheit und Selbst-Bewusstsein

 

Selbst-Bewusstsein lässt sich konkret beschreiben mit Aussagen der Form „ich weiß, dass ich…“ (also: „ich weiss, was ich will – ich weiss, was ich kann“ usw.). Selbst-Bewusstsein als Klarheit über sich selbst zeigt sich in selbstsicherem Verhalten. In jedem Bereich sind Selbsteinschätzungen mit Gefühlen verbunden – die Klärung und Stabilisierung des Selbstkonzepts kann in verschiedenen Zusammenhängen ein wertvolles Ziel sein. Ängste lassen sich abbauen, wenn eigene Fähigkeiten entwickelt und (an-)erkannt werden, depressive Zustände lassen sich abbauen, wenn Selbstvertrauen und Optimismus durch ermutigende Erfahrungen (wieder) wachsen, Mobbingerfahrungen lassen sich zum Teil verstehen als „sozial bedingte Kompetenzdefizite“, die nicht durch einen Verlust von Fähigkeiten, sondern durch Beschädigungen des Selbstkonzepts (insbesondere des Selbstkonzepts der Fähigkeiten) entstehen. Essstörungen werfen die Frage auf, wie präzise die körperlichen Bedürfnisse (insbesondere Hunger und Sättigung) erkannt und berücksichtigt werden. Dissozialität lässt sich verstehen als verzerrte Wahrnehmung bzw. Ignoranz des (sozial und/oder juristisch) Erlaubten.

 

Sinn und Zweck des Modells ist es, Probleme konkreter beschreiben zu können und Selbst-Bewusstsein als „Bewusstsein von sich selbst“ bzw. das Wissen von sich selbst (sprich: vom je eigenen Selbst) zu entwickeln. Es scheint, als ob die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls in sehr vielen Problembereichen hilfreich ist – dann aber lohnt es sich auch, sich ausführlich mit diesem Thema zu beschäftigen.

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1 Response to "Die Struktur des Selbstkonzepts"

Hallo! ich liebe deinen Blog, der ist absolut reich an Information und klingt mir sehr interessant-. Habt ihr von „Mindfullness“ gehört? Ich hab was gelesen und möchte gern mehr darüber erfahren…
Auch finde ich ganz interessant diese Firma, die Tests, Coach und Infos anbieten und mag ich persönlich sehr gerne, da sie sehr seriös und professionell sind. Ihr könnt einen Blick drauf werfen: Selbsttest

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